InfraWatt ist gegründet worden


InfraWatt - 80% der erneuerbaren Stromproduktion ohne Wasserkraft unter einem Dach

In der Öffentlichkeit ist noch kaum bekannt, dass die Kläranlagen, Kehrichtver-brennungsanlagen (KVA) und Trinkwasserkraftwerke über 80% der erneuerbaren Stromproduktion in der Schweiz ohne die Wasserkraft aus Fliessgewässern liefern. Diese Stromproduktion lässt sich nochmals verdoppeln. Um diese und die Energiepotenziale im Bereich Abwärme und Fernwärme vermehrt umzusetzen, die Öffentlichkeit besser zu informieren und in der Politik mehr Gewicht zu erhalten, haben sich die Fachverbände VSA, VBSA, SVGW, der Verband Fernwärme Schweiz (VFS) und Vertreter aus der Wirtschaft und der Elektrizitätsbranche an der Gründungsversammlung vom 19. Januar 2010 zum neuen Verein InfraWatt zusammengeschlossen.

Grosse Energiepotenziale der Infrastrukturanlagen
Wasserversorgungen liefern das lebensnotwendige Trinkwasser, Kläranlagen reinigen das Abwasser und KVA entsorgen den Abfall. Für diese anspruchsvollen Aufgaben betreiben die Ver- und Entsorgungsbetriebe einen beachtlichen Aufwand und brauchen dafür sehr grosse Energiemengen, nämlich die Hälfte des Stromverbrauches der kommunalen Gebäude und Anlagen. Was noch kaum bekannt ist, die KVA und die Kläranlagen produzieren aus dem Abfall bzw. dem organischen Material von uns Menschen sowie die Wasserversorgungen aus dem Gefälle in den Trinkwasserleitungen wertvollen Strom, der ständig nachfliesst. Zusam-men produzieren diese Anlagen jährlich 2053 Mio. kWh Strom, davon 1136 Mio. kWh erneu-erbaren Strom. Zudem werden mit der Abwärme aus den Kehrichtverbrennungsanlagen ganze Quartiere und Gemeinden äusserst umweltfreundlich mit Fernwärme beheizt. Die Potenziale sind noch enorm; mit Effizienzmassnahmen könnte beim Stromverbrauch ein Viertel einge-spart werden, womit vergleichsweise der Strombedarf von allen kommunalen Schulen abge-deckt werden könnte. Die Stromproduktion kann bei den Infrastrukturanlagen nochmals ver-doppelt werden, was 20% der Zielsetzung des Bundes bis 2030 zur erneuerbaren Strompro-duktion von 5400 GWh/a  entspricht. Im Wärmebereich könnten vom Angebot her alleine mit Abwärme aus den KVA und dem Abwasser zusätzlich 20% der Gebäude in der Schweiz be-heizt werden.

Ziel des Vereins InfraWatt
Der neue Verein InfraWatt hat sich zum Ziel gesetzt, diese Energiepotenziale weiter umzuset-zen und in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft konkrete Projekte auszulösen. Dazu braucht es einerseits gut ausgebildete Fachplaner und Betreiber der Anlagen, weshalb der Verein mit dem Nachfolgeprogramm von EnergieSchweiz die Information, Beratung und Aus-/Weiterbildung intensivieren will. Andererseits will sich der Verein aber auch für bessere Rahmenbedingungen für die Realisierung der Energiemassnahmen einsetzen, z.B. für eine wirksame und gerechte KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) für Strom aus Klärgas, Abfall und Trinkwasser, aber auch für die Förderung der Nutzung der Abwärme und der Fernwärme. Der Verein will vor allem dort Impulse geben, wo Technologien an der Schwelle der Wirtschaftlichkeit liegen. Die Planung und Realisierung erfolgt weiterhin durch den Markt. Gewinner sind die Umwelt und das Klima sowie die Betreiber der Infrastrukturanla-gen bzw. die Gemeinden dank tieferen Energiekosten und einem besseren Image. Zudem wird die Schweizer Wirtschaft angekurbelt; sie kann von den zusätzlichen Aufträgen aus den Ener-gie¬projekten profitieren. Durch die neuen Technologien und Erfahrungen in der Schweiz tun sich auch Märkte im Ausland auf, womit der Export von Schweizer Firmen gefördert wird.

Wer steht hinter dem Verein ?
Der neue Verein InfraWatt steht für mehr Energieproduktion und Energieeffizienz auf den Gebieten Abwasser, Abfall, Abwärme und Trinkwasser. Als Präsident für den neuen Verein hat sich Ständerat Filippo Lombardi (CVP/TI) zur Verfügung gestellt. Lombardi gehört seit Jahren der Energiekommission des Ständerates an, der er in den letzten zwei Jahren vorstand. In dieser Funktion setzt er sich seit Jahren für die Energieeffizienz und erneuerbare Energie-produktion ein. Dem neuen Verein InfraWatt treten alle Fachverbände der Branche bei. Der Vorstand setzt sich aus dem Verband der Kläranlagen (VSA, Peter Wiederkehr Präsident der Energiekommission), der Wasserversorgungen (SVGW, Direktor Anton Kilchmann), der Ab-fallbehandlungsanlagen (VBSA, Präsident Pierre Ammann) sowie dem Verband Fernwärme Schweiz (VFS, Präsident Walter Böhlen) zusammen. Zudem wird der Vorstand von InfraWatt mit einem Vertreter aus den Kantonen (Franz Adam, AWEL ZH), der Wirtschaft (Reto Baumann, Firma Häny AG), der Elektrizitätsbranche (Thomas Wälchli, EBM Genossenschaft Elektra Birseck in Münchenstein) und einem Vertreter der Betreiber (Bernhard Gyger, Geschäftsführer Wasserverbund der Region Bern, Vorstand der KVA Thun) verstärkt. Die Geschäftsführung von InfraWatt übernimmt Ernst A. Müller, welcher sich als Leiter der Aktion EnergieSchweiz für Infrastrukturanlagen bereits seit Beginn von Energie 2000 mit diesen Energiethemen beschäftigt. Er wird unterstützt durch eine technische Begleitgruppe mit Martin Kernen (zuständig Romandie, Spezialist alternative Heizungen), Marco Tkatzik (Tessin, Spezialist Wärmeverbund und Wärmepumpen) und Beat Kobel (Deutschschweiz, Spezialist Kläranlagen und Wasserversorgungen) sowie Urban Frei (Spezialist KVA/Deponien).

Gründe, warum es diesen neuen Verein braucht
Ständerat Filippo Lombardi bringt es auf den Punkt, warum es diesen neuen Verein braucht: "Die Potenziale in den Bereichen der Infrastrukturanlagen sind noch sehr gross. Diese Mög-lichkeiten müssen aber zunächst auch in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden und in der Politik bessere Rahmenbedingungen erhalten. Und da helfe ich gerne mit." Auch das Bundesamt für Energie befürwortet diese Entwicklung und die Bündelung der Kräfte. Micha-el Kaufmann, Vizedirektor des BFE, verspricht sich durch den neuen Verein InfraWatt weite-re Impulse für das Nachfolgeprogramm von EnergieSchweiz, da zusätzliche Marktkräfte und Mittel eingebunden werden können.

Nicht zuletzt hat die Branche selbst die Chancen von InfraWatt sofort erkannt; bereits vor der Gründung hat der Abwasserverband Morgenthal, der das Abwasser von Arbon und Steinach und längerfristig auch von der Stadt St. Gallen entsorgt, die Mitgliedschaft beantragt. Der Betriebsleiter Roland Boller hat bereits zahlreiche Energiemassnahmen realisiert, wie den Bau einer Gasturbine zur Stromproduktion aus dem Klärgas, den Verkauf von Abwärme an einen benachbarten Gewerbebetrieb, den Aufbau eines Wärmebundes mit Abwasserwärmepumpen, etc. Dennoch sieht er weitere Energiesparmöglichkeiten. Auch die grösste Anlage unter den Infrastrukturen in der Schweiz, das ERZ (Entsorgung + Recycling Zürich), macht mit. ERZ ist der grösste Energielieferant auf dem Platz Zürich. Die neuen Mitglieder erhoffen sich von InfraWatt sowohl Anregungen und Know-how wie auch verbesserte Rahmenbedingungen für die Branche von Bund und Kanton.