Abwasser

Ausgangspunkt für alle Kläranlagen: Grobcheck

  

Kläranlagen tragen zum Schutze unserer Gewässer bei. Dafür braucht eine Kläranlage sehr viel Energie, nämlich mehr Strom als alle Schulen in der Gemeinde. Kläranlagen verfügen aber auch über enorme Mengen an erneuerbarer Energie, dank dem Klärgas, dem Klärschlamm und dem Abwasser.

 

Bei den meisten Kläranlagen in der Schweiz wurden bereits Energiemassnahmen untersucht. Da sich die Technologien ständig entwickeln verfügen viele Kläranlagen noch über weitere Energiepotenziale. Mit dem Grobcheck kann ein Betreiber rasch herausfinden, ob seine Anlage energetisch auf dem neusten Stand der Technik ist oder ob noch weitere Energiepotenziale vorhanden sind. Der Grobcheck ermöglicht auch eine Erfolgskontrolle der durchgeführten Energiemassnahmen, so dass der Grobcheck auch als Grundlage für die Jahresberichte dient.

 

Stehen generelle Sanierungen/Erneuerungen auf der ARA an oder weist der Grobcheck auf Energiesparmöglichkeiten hin, lohnt sich eine gezielte Untersuchung und Optimierung der konkreten Energiemassnahmen. Dafür hat sich die Feinanalyse bewährt, welche die konkreten Massnahmen, die Kosten und Einsparungen und die Wirtschaftlichkeit aufzeigt. Die Feinanalyse wird alle 5 Jahre auf den neusten Stand gebracht. Auf der Basis der Feinanalyse kann der Betreiber über die Realisierung entscheiden und einen Budgetplan erstellen. Die Feinanalyse hat sich in der Praxis bewährt:

 

Auf den meisten ARA sind Energieeffizienzpotenziale vorhanden. Die Energiekosten lassen sich um bis zu 50 Prozent senken.

  • Das im Rahmen der Energieanalysen vorgeschlagene Paket an Massnahmen wirft in der Regel einen betriebswirtschaftlichen Gewinn ab.
  • Die Kosten für die Energieanalyse amortisieren sich meistens in weniger als einem Jahr.

 

Stromproduktion aus Klärgas lohnt sich
Viele Kläranlagen in der Schweiz haben ein BHKW installiert. Den erzeugten Strom kann der Betreiber auf der ARA selbst nutzen, oder als Ökostrom verkaufen oder dank der "Kostendeckenden Einspeisevergütung" (KEV) zu einem Preis, der über 20 Jahre garantiert wird, ins Netz einspeisen. Dadurch wird die Verstromung vom gesamten anfallenden Klärgas oder der Bau von neuen BHKW mit höheren Wirkungsgraden wieder lukrativer. InfraWatt gibt Auskunft über den aktuellen Stand der KEV, die Vergütung und das Bewilligungsprozedere.

 

Wärme verkaufen
Die Kläranlagen können den eigenen Wärmebedarf mit Abwärme aus dem BHKW selbst abdecken. Die Anlagen verfügen aber mit dem Abwasser über eine Energiequelle, mit der ganze Siedlungsgebiete ausserhalb der ARA beheizt werden könnten. Sofern sich in der näheren oder weiteren Umgebung Abnehmer befinden, lohnt es sich den Verkauf von Wärme zu prüfen, wie dies z.B. die ARA Morgental in Steinach/Arbon mit einem Contractor macht. In diesem Fall kann auch überschüssige Wärme aus dem BHKW, den Gebläsen etc. genutzt werden.

 

Klärschlamm
Klärschlamm ist ein erneuerbarer Energieträger. Bei der Nutzung von Klärschlamm können in Zementwerken fossile Brennstoffe und CO2 eingespart und in der KVA oder in einer Monoverbrennung erneuerbarer Strom und Abwärme für Fernwärme geliefert werden. Bei der Wahl der Klärschlammentsorgungswege spielt also das Energiethema eine ganz wichtige Rolle. Deshalb haben wir ein Tool entwickelt, mit dem die Energiebilanz für eine Kläranlage individuell berechnet und die verschiedenen Entsorgungswege miteinander vergleichen werden können.

 

Klärgas als Treibstoff
Klärgas kann hochwertig im eigenen BHKW auf der ARA genutzt oder an die Erdgasversorgung verkauft werden. Die Einspeisung ins Erdgasnetz lohnt sich nur für grosse ARA, weil dazu eine Aufbereitungsanlage gebaut werden muss und zusätzliche Energie verbraucht wird. InfraWatt berät Kläranlagen bei der Entscheidungsfindung und beim Energiekonzept bzw. der Frage, wie der eigene Strom- und Wärmebedarf auf der ARA weiterhin mit erneuerbaren Energien oder Abwärme gedeckt werden kann.

 

"Médaille d'eau"

Die Auszeichnung "Médaille d'eau" wird alle 5 Jahre für energiebewusste Kläranlagen vergeben. Letztmals wurden 2008 in Olten 25 ARA prämiert. Die zentralen Kriterien für die Auszeichnung sind ein energiebewusstes Handeln, die Durchführung einer Energieanalyse und vor allem auch die Umsetzung von Energiemassnahmen.